lunes, 1 de febrero de 2016

Bamberg Weltkulturerbe



Bamberg besitzt das größte erhaltene historische Altstadt Deutschlands. Sie wurde 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen.

UNESCO >> Bamberg
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jueves, 31 de diciembre de 2015

Joseph von Eichendorff : Aus dem Leben eines Taugenichts



Joseph Freiherr von Eichendorff (1788, Schloß Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien - 1857, Neiße) war der "letzte Ritter der Romantik", auch wenn er 1834 gesagt hatte: "Ich wollte, die Romantik wäre lieber gar nicht erfunden worden". Er schrieb Romanen, Novellen und Gedichte. Er ist als Novellist vorwiegend Lyriker und versucht durch seine lyrische Prosadichtung aus der Gegenwart zu fliehen. Sein bekannteste und bedeutsamste Prosa-Erzählung ist Aus dem Leben eines Taugenichts.

Joseph von Eichendorff  : Leben und Werk (Projekt Gutenberg) >> Link

Aus den Leben eines Taugenichts : Text und Kommentar  (Goethezeit Portal) >> Link

Das Wahlsystem in Deutschland



Wahlwerbespots der Parteien, die im Bundestag vertreten sind








Die deutschen Parteien


Die Entwicklung des Parteisystems seit 1945 (bpb) >> Link
Anzahl der Parteien (bpb) >> Link
Die Finanzen der Partei (bpb) >> Link

Avanzado >> Thomas Bernhard : Mildtätigkeit


Eine uns benachbarte alte Dame war in ihrer Mildtätigkeit zu weit gegangen. Sie hatte, wie sie geglaubt hatte, einen armen Türken zu sich genommen, welcher anfänglich auch über die Tatsache, daß er jetzt nicht mehr in einer zum Abreißen bestimmten Bauhütte existieren mußte, sondern jetzt, durch die Mildtätigkeit der alten Dame in ihrem in einem großen Garten gelegenen Stadthaus leben durfte, dankbar gewesen war. Er hatte sich bei der alten Dame als Gärtner nützlich gemacht und war von ihr nach und nach nicht nur neu eingekleidet, sondern tatsächlich verhätschelt worden. Eines Tages war der Türke auf dem Polizeikommissariat erschienen und hatte angegeben, er habe die alte Dame, die ihn aus Mildtätigkeit ins Haus genommen habe, umgebracht. Erwürgt, wie die Gerichtskommission bei einem sofort angesetzten Lokalaugenschein festgestellt hatte. Als der Türke von der Gerichtskommission gefragt worden war, warum er die alte Dame umgebracht und also erwürgt habe, antwortete er, aus Mildtätigkeit.
(Thomas Bernhard. Quelle: Gymnasium Liestal) 

Avanzado >> Marie Luise Kaschnitz : Ein ruhiges Haus


Ein ruhiges Haus, sagen Sie? Ja, jetzt ist es ein ruhiges Haus. Aber noch vor kurzem war es die Hölle. Über uns und unter uns Familien mit kleinen Kindern, stellen Sie sich das vor. Das Geheul und Geschrei, die Streitereien, das Trampeln und Scharren der kleinen zornigen Füße. Zuerst haben wir nur den Besenstiel gegen den Fußboden und gegen die 5 Decke gestoßen. Als das nichts half, hat mein Mann telefoniert. Ja, entschuldigen Sie, haben die Eltern gesagt, die Kleine zahnt, oder die Zwillinge lernen gerade laufen. Natürlich haben wir uns mit solchen Ausreden nicht zufrieden gegeben. Mein Mann hat sich beim Hauswirt beschwert, jede Woche einmal, dann war das Maß voll.

Der Hauswirt hat den Leuten oben und den Leuten unten 10 Briefe geschrieben und ihnen mit der fristlosen Kündigung gedroht. Danach ist es gleich besser geworden. Die Wohnungen hier sind nicht allzu teuer und diese jungen Ehepaare haben nicht das Geld, umzuziehen. Wie sie die Kinder zum Schweigen gebracht haben? Ja, genau weiß ich das nicht. Ich glaube, sie binden sie jetzt an den Bettpfosten fest, so daß sie nur kriechen können. Das macht we-15 niger Lärm. Wahrscheinlich bekommen sie starke Beruhigungsmittel. Sie schreien und juchzen nicht mehr, sondern plappern nur noch vor sich hin, ganz leise, wie im Schlaf. Jetzt grüßen wir die Eltern wieder, wenn wir ihnen auf der Treppe begegnen. Wie geht es den Kindern, fragen wir sogar. Gut, sagen die Eltern. Warum sie dabei Tränen in den Augen haben, weiß ich nicht.

(Marie Luise Kaschnitz. Quelle: GlaubenAktuell -Marie Luise Kaschnitz: Steht noch dahin, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1973-)

Avanzado >> Wolfgang Borchert : das Brot


Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. Sie überlegte, warum sie aufgewacht war. Ach so! In der Küche hatte jemand gegen einen Stuhl gestoßen. Sie horchte nach der Küche. Es war still. Es war zu still und als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr, fand sie es leer. Das war es, was es so besonders still gemacht hatte: sein Atem fehlte. Sie stand auf und tappte durch die dunkle Wohnung zur Küche. In der Küche trafen sie sich. Die Uhr war halb drei. Sie sah etwas Weißes am Küchenschrank stehen. Sie machte Licht. Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche.
Auf dem Küchentisch stand der Brotteller. Sie sah, dass er sich Brot abgeschnitten hatte. Das Messer lag noch neben dem Teller. Und auf der Decke lagen Brotkrümel. Wenn sie abends zu Bett gingen, machte sie immer das Tischtuch sauber. Jeden Abend. Aber nun lagen Krümel auf dem Tuch. Und das Messer lag da. Sie fühlte, wie die Kälte der Fliesen langsam an ihr hoch kroch. Und sie sah von dem Teller weg.
«Ich dachte, hier wär was», sagte er und sah in der Küche umher.
«Ich habe auch was gehört», antwortete sie und dabei fand sie, dass er nachts im Hemd doch schon recht alt aussah. So alt wie er war. Dreiundsechzig. Tagsüber sah er manchmal jünger aus. Sie sieht doch schon alt aus, dachte er, im Hemd sieht sie doch ziemlich alt aus. Aber das liegt vielleicht an den Haaren. Bei den Frauen liegt das nachts immer an den Haaren. Die machen dann auf einmal so alt.
«Du hättest Schuhe anziehen sollen. So barfuß auf den kalten Fliesen. Du erkältest dich noch.»
Sie sah ihn nicht an, weil sie nicht ertragen konnte, dass er log. Dass er log, nachdem sie neununddreißig Jahre verheiratet waren.
«Ich dachte, hier wäre was», sagte er noch einmal und sah wieder so sinnlos von einer Ecke in die andere, «ich hörte hier was. Da dachte ich, hier wäre was.»
«Ich hab auch was gehört. Aber es war wohl nichts.» Sie stellte den Teller vorn Tisch und schnippte die Krümel von der Decke.
«Nein, es war wohl nichts», echote er unsicher.
Sie kam ihm zu Hilfe: «Komm man. Das war wohl draußen. Komm man zu Bett. Du erkältest dich noch. Auf den kalten Fliesen.»
Er sah zum Fenster hin. «Ja, das muss wohl draußen gewesen sein. Ich dachte, es wäre hier.»
Sie hob die Hand zum Lichtschalter. ich muss das Licht jetzt ausmachen, sonst muss ich nach dem Teller sehen, dachte sie. Ich darf doch nicht nach dem Teller sehen. «Komm man», sagte sie und machte das Licht aus, «das war wohl draußen. Die Dachrinne schlägt immer bei Wind gegen die Wand. Es war sicher die Dachrinne. Bei Wind klappert sie immer.»

Sie tappten sich beide über den dunklen Korridor zum Schlafzimmer. Ihre nackten Füße platschten auf den Fußboden.
«Wind ist ja», meinte er. «Wind war schon die ganze Nacht.» Als sie im Bett lagen, sagte sie: «Ja, Wind war schon die ganze Nacht. Es war wohl die Dachrinne.»
«ja, ich dachte, es wäre in der Küche. Es war wohl die Dachrinne.» Er sagte das, als ob er schon halb im Schlaf wäre.
Aber sie merkte, wie unecht seine Stimme klang, wenn er log.
„Es ist kalt“, sagte sie und gähnte leise, „ich krieche unter die Decke. Gute Nacht.“
„Nacht“, antwortete er und noch: „Ja, kalt ist es schon ganz schön.“
Dann war es still. Nach vielen Minuten hörte sie, dass er leise und vorsichtig kaute. Sie atmete absichtlich tief und gleichmäßig, damit er nicht merken sollte, dass sie noch wach war. Aber sein Kauen war so regelmäßig, dass sie davon langsam einschlief.
Als er am nächsten Abend nach Hause kam, schob sie ihm vier Scheiben Brot hin. Sonst hatte er immer nur drei essen können.
«Du kannst ruhig vier essen», sagte sie und ging von der Lampe weg. «Ich kann dieses Brot nicht so recht vertragen. Iss du man eine mehr. Ich vertrag es nicht so gut.»
Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte. Er sah nicht auf. In diesem Augenblick tat er ihr leid.
«Du kannst doch nicht nur zwei Scheiben essen», sagte er auf seinen Teller.
«Doch. Abends vertrag ich das Brot nicht gut. Iss man. Iss man.»
Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe an den Tisch.

(Wolfgang Borchert. Quelle : Filminstitut Hannover)